Beim Namen gerufen. - Du bist gemeint!

Und nun spricht der HERR, der dich geschaffen hat, Jakob, und dich gemacht hat, Israel: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein! (Jesaja 43,1)

Neulich las ich in der Zeitung von kuriosen Vornamen. Vor allem die Standesämter in Berlin werden häufig mit besonderen Wünschen zur Namensgebung Neugeborener konfrontiert: Die Jungennamen Otso, Diamanto, Princemike wurden 2020 gewünscht. Dem stehen die Mädchennamen Shane-Angel, Khaleesi und Raperin in nichts nach. Wohl den Kindern, deren Eltern Namen mit Bedacht und Weitsicht aussuchen. Denn unser Name – das sind wir! Wenn unser Name gerufen wird, drehen wir uns nach dem Rufenden um. Wir sind gemeint! Es geht um uns!

Gott ruft uns bei unserem Namen. Er meint uns persönlich. Gott hat ein Herz für die ganze Welt und die ganze Menschheit. Doch es geht ihm auch um unsere je eigene Person. Jesus ging sogar so weit zu behaupten, Gott hätte alle Haare auf unserem Kopf gezählt. So genau kennt er sich aus mit unserer Person.

Gott ruft unseren Namen. Deshalb kommen wir zur Welt. Natürlich wissen wir um die zufällige Verschmelzung einer bestimmten Ei- und einer bestimmten Samenzelle und das Werden und Wachstum menschlichen Lebens. Dennoch ist es Teil christlicher Hoffnung, dass uns Gott hier haben wollte. Uns, ganz persönlich. Auch am Ende spricht Gott unseren Namen. Wir werden mit unserem ganzen Leben in seine gute, heilsame Gegenwart gerufen. Und dazwischen? Auch da hat Gott Tag für Tag Interesse an unserem Ergehen. Er begleitet all unsere Höhen und Tiefen und alle ganz alltäglichen Momente.

„Fürchte dich nicht!“ – Diese Aufforderung steht oft in der Bibel. Ehrlicherweise müssen wir uns eingestehen, dass es sehr wohl immer wieder Momente gibt, in denen wir uns fürchten und Angst haben. Das ist menschlich und gehört dazu. Doch dass Gott unseren Namen ruft, dass er uns kennt und genauso wie wir sind, liebt – das nimmt die tiefste Ur-Angst weg. Die Angst allein zu sein und nicht geliebt zu werden.

Herzliche Grüße, Ihr Pfarrer Konrad Köhnlein


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